13. November 2011
Lange hielt ich es im Hotel wieder nicht aus. Entgegen aller Vorsätze bestelle ich ein Taxi in die Innenstadt. Auf der Plaza San Francisco pulsierte das Leben, obwohl es Sonntag war. Einige Straßen waren für Märkte gesperrt, hier saßen Campesinos, die indigenen Einheimischen, und boten ihre Waren feil. Vor allem Frauen, mit ihren typischen Hüten, den dicken Röcken und den zu einer Art Rucksack gebundenen bunten Tüchern verkauften alles – von Obst und Gemüse, Kleidung bis zu selbstgebrannten DVDs.
Der Hexenmarkt
in der Calle Sagárnaga – von vielen Reiseführern und in Reiseberichten oft als sehr geheimnissvoll dargestellt – stellte sich mir eher als ein Souvenirmarkt für Touristen dar. Zwischen den Schals und Anhängern haben die Verkäuferinnen ein paar Lamaföten drapiert, um Kunden anzulocken oder zumindest ein paar Bolivianos für das Fotografieren derselben zu kassieren. (Lamaföten werden in das Fundament der Häuser eingebaut, dass soll den Bewohnern Glück und Schutz bringen.) Kräuter und andere Zutaten für Hexen oder Wunderheiler findet man hier kaum noch.
In einer anderen Straße setzte ich mich auf den Bordstein, um den völlig verrückten Verkehr hier zu beobachten. Verkehrsregeln gibt es scheinbar nicht, Vorfahrt hat, wer am dreistesten drängelt. Taxis und Busse halten ohne Vorwarnung überall, um Passagiere ein- und aussteigen zu lassen. Schilder, die eine Maximalgeschwindigkeit vorschreiben, gibt es in La Paz nicht. Sinnvoll, daran halten würde sich sowieso niemand und der Verkehr lässt sowieso keine Raserei zu. An kritischen Stellen exisitiert vielleicht ein Huckel
. Die Straßen sind so steil, dass ein Minibusfahrer erst wieder anfahren konnte, als seine komplette Passagierfracht
aussteig und bis zur nächsten Querstraße zu Fuß lief.
Zurück im Hotel zwang ich mich noch, einen Salat zu essen. Hunger hatte ich keinen, dabei habe ich heute noch nichts gegessen. Obwohl ich hundemüde war, konnte ich nicht einschlafen. Meine Lunge brannte wie ausgetrocknet. Ist dass die gefürchtete Höhenkrankheit oder der Smog tausender falsch eingestellter Motoren, der sich durch meine Lungen frisst?
Gegen 4 Uhr fing mein Herz an zu schlagen wie verrückt, als ob es meinen Körper durchspülen wollte. Kurze Zeit später schlief ich ein.