28. November 2011
Als ich wieder aufwachte fuhren wir schon durch El Alto, einen Vorort von La Paz. Die sonst sandig-grauen Straßen waren heute von bunten Märkten erfüllt. Die Campesinos boten ihre Ernte feil: Heu, Gemüse und vor allem Kartoffeln.
Vom Busbahnhof wollte ich mir ein Taxi ins Zentrum bzw. zu einem Reisebüro nehmen. Der geforderte Fahrpreis von 10 Bs war aber deutlich zu teuer. Der Fahrer erklärte mir, dass ich auch ein normales
Taxi nehmen könnte, das sei günstiger. Er wäre ein Radio Taxi
, also ein Taxi mit Funkgerät. Das sei sicherer, aber natürlich auch teurer. Das machte Sinn, ich hatte die Empfehlung nur mit Radio-Taxis zu fahren mehrfach gelesen.
Nach ein paar Minuten Fahrt wunderte ich mich aber, denn ich konnte kein Funkgerät in diesem Taxi entdecken. Ich fragte den Fahrer und er zeigte völlig schmerzfrei auf die Uhr im Amaturenbrett und meinte, dass sei das Funkgerät. Ich hatte keine Ahnung, wie ich auf so viel Dreistigkeit reagieren sollte, lachte über meine eigene Dummheit, nahm mir vor, beim nächsten mal gleich beim Einsteigen auf das Funkgerät zu achten – und bezahlte die erschlichenen 10 Bs.
Noch am selben Tag wollte ich weiter nach Rurrenabaque fliegen, einer kleinen Stadt im Amazonas-Tiefland von Bolivien. Da ich befürchtete, dass der Bus Verspätung hätte, hatte ich einen Flug am späten Nachmittag gebucht. Wir kamen aber absolut pünktlich an. Deshalb hatte ich noch viel Zeit in La Paz, die ich nutzte, um Touren in die Pampas (Sumpfgebiete) und in den Dschungel von Bolivien zu buchen.
In der kleinen Maschine der bolivianischen Fluglinie Amaszonas war nur Platz für etwa 20 Passagiere und von diesen wenigen Sitzen waren auf meinem Flug nach Rurrenabaque auch nur fünf besetzt, inklusive mir. Nach dem Start flogen wir dicht an den Bergen vorbei, die La Paz umgeben. Dann verschwand das Flugzeug in einer Wolkenwand. Als die Sicht wieder aufklarte (soweit man bei den schon deutlich gealterten Fenstern dieses Flugzeuges von aufklaren
sprechen kann) hatte sich die Landschaft dramatisch geändert: Statt über schneebedeckte Gipfel und karge Täler flogen wir über grünen Dschungel, durch den sich schlammig-braune Flüsse schlängelten. Einem dieser Flüsse, dem Beni, folgten wir. Kurz vor unserem Ziel flogen wir durch einen gewaltigen Felsdurchbruch. Die Piloten nutzten hier jedes Tal und jeden Pass, um möglichst tief fliegen zu können. Immerhin mussten sie innerhalb von 45 Minuten von 4060 m auf unter 200 m Höhe absinken.
Am Flughafen erwartete mich zu meiner Überraschung ein Mitarbeiter der Agentur, bei der ich meinen Pampas-Ausflug morgen gebucht hatte. Ich musste so nicht den Bus in die Stadt nehmen, sondern wurde direkt ins Büro zu einer kurzen Vorbesprechung gebracht. Allerdings nicht mit einem Auto, sondern auf den Sozius-Sitz eines Mofas. Mir machte das großen Spaß, wer diesbezüglich unerfahren ist, sollte sich aber trotzdem den Bus überlegen. Mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken mit einem Motorrad über die schlechten Straßen dieses Landes zu fahren ist sicher nicht jedermanns Sache.
Im Hotel Oriental buchte ich mir anschließend ein Zimmer. Am Abend ging ich noch auf ein Bier in die Moskkito Bar. Morgen, in den Sümpfen, würde es wohl kaum noch ein solches geben.
Reisetipps
Amaszonas, Tel.: +591-389-22472, Email: info@amaszonas.com - Bolivianische Fluglinie. Der Name ist ein Wortspiel: A más zonas
(zu mehr Gebieten) soll andeuten, dass man mehr Ziele anfliegt als die anderen bolivianischen Fluggesellschaften, offensichtlich ist aber auch der Gleichklang mit dem Fluss Amazonas. Zwischen La Paz und Rurrenabaque gibt es täglich 3-6 Flüge mit Metro SA-227-Flugzeugen von Fairchild. Kosten: 581 Bs One-Way.
TAM - der zivile Teil der bolivianischen Luftwaffe fliegt ebenfalls nach Rurrenabaque.
Hotel Oriental, Plaza Dos de Febrero, Rurrenabaque - gutes Hotel mit nettem Innenhof, freundlicher Besitzer.
Moskkito Bar, Avaroa Av., Tel.: +591-03-8922267, Email: moskkito@terra.com - Bar mit vorwiegend westlichen Besuchern.