Death Road

6. Dezember 2011

Längst hat die ehemals gefährlichste Straße der Welt ihren Schrecken verloren. Früher kamen hier jedes Jahr um die 200 Menschen ums Leben, bis im Jahr 2005 eine gut ausgebaute Umgehung eröffnet wurde. Seitdem läuft der größte Teil des Verkehrs zwischen La Paz und dem Amazonas-Tiefland über sie. Über die Alte Yungas-Straße fahren fast nur noch Mountainbiker und die Busse der Veranstalter dieser Touren. Diese werben natürlich trotzdem mit noch mit dem Nervenkitzel, den diese Tour bietet. Wer nicht völlig leichtsinnig oder einfach dumm ist, wird sie aber sicher überleben.

Wer einen der renomierten Anbieter dieser Tour wählt, macht zwar nicht unbedingt ein Schnäppchen, minimiert aber das Risiko, wegen einer defekten Bremse einen Freiflug über den Abgrund zu bekommen. So sah ich das auch, als ich gestern für ca. 70 € eine Tour bei Gravity Assisted buchte. Für Bolivien ein stolzer Preis. Angebote für den halben Preis lassen sich problemlos ergoogeln: Guten Flug und eine sanfte Landung!

Wir traffen uns im Alexander, einer Starbucks-ähnlichen Kette an der Avenida 16 de Julio. Während ich ein ausführliches Frühstück genieße, trudeln Guide Phil und 5 weitere Touris langsam ein. Glück hatte ich mit der Größe der heutigen Truppe – auf der Rückfahrt 4 Tage später waren es über 30 Personen.

Durch die Vororte von La Paz fuhren wir zum La Cumbre Pass auf 4650 m. Dort wurden unsere Mountainbikes abgeladen und wir erhielten unsere Ausrüstung: Helm, Brille, Handschuhe, eine wasserdichte Hose und Jacke sowie eine Warnweste. Anschließend die Einweisung auf das, was uns bevorstand: Während der nächsten 65 km würden wir 3600 Höhenmeter bergabfahren, von diesem wolkenverhangenen, kalten Pass in das heiße, tropische Tiefland bei Coroico.

Vor dem Start segneten wir unsere Fahrräder, wie es die Fahrer früher mit ihren LKWs zu tun pflegten: Mit ein paar Tropfen reinem Alkohol. Wir benetzten nur unsere Lippen, aber wer weiß, wieviele diesen Segen übertrieben und sich und viele andere damit in den Tod stürzten...

Zunächst fuhren wir einige Kilometer gemütlich Downhill auf Asphalt, allerdings gab es hier einigen Verkehr. Trotzdem war das gut, um sich an die Fahrräder zu gewöhnen. Ich war begeistert von ihren hydraulischen Bremsen. Nur mit einem oder zwei Fingern waren sie perfekt zu kontrollieren. Mit der ganzen Hand zuzulangen hätte einen Überschlag provoziert.

Dann ging es etwa 7 Kilometer bergauf, zum Schluss sehr steil auch noch durch eine Baustelle. Gravity Assisted waren die einzigen, die hier die die Räder nicht wieder pauschal auf die Fahrzeuge verladen, sondern die Entscheidung den Kunden überließen. Damit waren wir die einzige Gruppe, die die Straße komplett fuhr, andererseits lachten sich die anderen vielleicht vom gemütlichen Bus aus eins ins Fäustchen, während wir uns abmühten. So gut die Fahrräder auch für das Fahren downhill geeignet waren – Steigungen wurden mit ihnen zur Qual. Sie sind schwer und ihre breiten, stark profilierten Reifen haben einen Rollwiderstand, dass man sich fühlt, als würde man noch einen LKW anschieben müssen.

Nach ein paar Kilometern teilte sich die Straße. Hier begann die wirkliche Death Road. Wir machten erstmal eine Pause während uns unser Guide über die Gefahren informierte, die vor uns lagen: Entgegenkommende Fahrzeuge sind kaum ein Problem, wir begeneten auf der gesamten Strecke nur zweien. Die auf der Straße liegende Steine, wegen ihrer Größe Babyköpfe genannt, schon eher. Ansonsten natürlich Selbstüberschätzung und Leichtsinn.
Auch während der folgenden Strecke machten wir regelmäßig Pausen, bei denen uns unser Guide die Gefahrenstellen des vor uns liegenden Streckenabschnitts erklärte. Und natürlich auch, wo wir es mal laufen lassen könnten. Zur Untermalung hatte er oft Geschichten von Unfällen der letzen Jahre an den entsprechenden Orten parat.


Unsere Tour endete im Senda Verde, einer Art Tierasyl. Hier konnten wir uns Duschen und es gab ein Essensbuffet. Letzteres war aber eher entäuschend: Nudeln und vier verschiedene Soßen dazu, sowie etwas Salat. Egal, die Tiere hier waren einfach der Hit. Auch wenn ihre Schicksale alles andere als toll sind, rührte es mich trotzdem, dass ein Papagei, der niemals der Fliegen gelernt hatte, völlig freiwillig auf mich zukam und es sichtlich genoss, sich kraulen zu lassen. Woraufhin ein Nasenbär sichtlich eifersüchtig ebenfalls seine Streicheleinheiten anforderte.


Reisetipps

Gravity Assisted, Av. 16 de Julio #1490, Edificio Avenida, La Paz, Tel.: +591-2231-3849, Email: gravityoffice@gravitybolivia.com - eine der ersten Agenturen in diesem Geschäft, angeblich sogar diejenige, die dieses Abenteuer vor 10 Jahren erfunden hat. Alle Guides sprechen Englisch als Muttersprache.

Senda Verde - Tierasyl. Schaut relativ vernünftig aus, im Gegensatz zu anderen Institutionen in Bolivien, die speziell darauf ausgerichtet sind, Geld mit dem Vonunteers zu machen. Hier macht man den Besuchern nichts vor, die Tiere sind so durch den Menschen geschädigt, dass sie nie wieder in freier Wildbahn leben werden können.