Die Koralleninsel

29. Mai 2011

In der Früh bekamen wir ein ausführliches Chart Briefing (also eine Einführung in das Segelrevier) von Sébastien. Leider erfuhren wir auch, dass wir nicht in der Nacht fahren durften, schade, aber verständlich, denn die vielen malaysischen Fischer haben noch nie etwas von den Beleuchtungsregeln gehört. Wenn sie überhaupt beleuchtet waren. Angeblich war auch irgenwo einen GPS-Empfänger samt Sender versteckt, mit dem man unsere Position jederzeit feststellen könnte und damit auch, ob wir uns nach Anbruch der Dunkelheit noch bewegen. Unsere Nachtfahrt bekamen wir gegen Ende der Reise trotzdem, wenn auch nicht ganz freiwillig.

Von unserem Liegeplatz legten wir mit Hilfe von Sébastien ab, der unseren Bug mit einem Schlauchboot in die richtige Richtung zog. Eindampfen in die Spring oder sonstige Spielereien, die man beim Bootsführerschein lernt, waren hier nicht wichtig. Man macht Manöver so, wie sie praktisch sind, nicht, wie sie im Lehrbuch stehen.

Nach dem wir aus dem Hafen motort waren, musste die Crew die obligatorische Sicherheitsunterweisung über sich ergehen lassen. Ich erklärte Rettungswesten, die (nicht vorhandene!) Lifeline und wo im Notfall welches Rettungsmittel zu finden wären. Außerdem gab es eine Einweisung in die Toiletten, die auf einem Segelboot sehr viel mehr Aufmerksamkeit brauchen, als wir das von unserem WC zu Hause gewohnt sind.
Viel Wind hatte es heute nicht, deshalb beschlossen wir, erstmal baden zu gehen. Anschließend setzten wir das erste Mal die Segel. Dass dabei nicht gleich alles reibungslos verlief war klar und der Zick-Zack-Kurs, den wir in den nächsten Minuten segelten, schaute auf dem GPS sehr interessant aus. Unser Ziel Pulau Tulai erreichten wir aber problemlos.


Wir wollten im Süden der Insel, bei den Malang Rocks schnorcheln und dann in einer Bucht im Westen der Insel während der Nacht ankern. Die Moorings waren uns aber zu nahe am Fels, deshalb beschlossen wir, an einer Badeplatform festzumachen. Sie schien weit genug entfernt zu sein. Das Anlegemanöver klappte problemlos. Hier zu schnorcheln war fantastisch. Alex und Inés entdeckten eine Seeschlange und etwas später noch eine Schildkröte.


Die Insel gefiel uns so gut, dass wir unbedingt in der nordwestlichen Bucht die Nacht verbringen wollten, auch wenn unser Vercharterer der Meinung war, dass dies keine sichere Bucht für die Nacht sei.

Nachdem wir an einer Mooring festgemacht hatten, sprangen Steffen und ich ins Wasser, um zu prüfen, wie gut sie am Meeresgrund festgemacht war. Als ich sie erreicht hatte und ins Wasser blickte, bot sich mir ein Bild, das ich so schnell nicht vergessen werde: 10 Meter unter mir pflügte ein kleiner Stockanker – vermutlich aus Baustahl selber zusammengeschweißt – mit erschreckender Geschwindigkeit über den Meeresboden. Und mit der gleichen Geschwindigkeit trieb folglich unser Boot am anderen Ende der Leine auf die Felsen im Norden der Bucht zu. Ich steckte meinen Kopf aus dem Wasser und schrie so laut ich konnte Konrad, schmeiß den Motor an und bring das Boot von den Felsen weg! Die Mooring slippt!. Eine gefühlte Ewigkeit später hatte er den Motor gestartet und die Mädls das Boot von der windigen Mooring befreit.
Der Wind hatte inzwischen deutlich aufgefrischt. Konrad sah etwas zweifelnd zu Steffen und mir im Wasser herüber, er überlegte wohl, wie und wann er uns wieder an Bord bringen konnte. Bring das Boot von den Felsen weg, wir können schwimmen! rief ich. Zur Not wären wir einfach die paar Meter zur Insel geschwommen und hätten uns später aufnehmen lassen. Aber das Gewitter ließ uns noch etwas Zeit und so konnten wir etwas später problemlos an Bord gehen.

Wir setzten die Segel mit Kurs auf Pulau Labas.

Reisetipps

Pulau Tulai - auch Coral Island genannt. Im Süden der Insel gibt es sehr schöne Schnorchelplätze vor einem traumhaften Strand. Der Ankergrund bei der Insel ist aber schlecht und die Moorings gefährlich. Unser Vercharterer empfahl leider zurecht, hier nicht zu übernachten.

Törnplanung - Informationen über das Segelgebiet sind leider sehr rar. Revierführer (z.B. From Ragoon to Manila Bay) enthalten nur ein oder zwei Seiten zu Tioman mit eher rudimentären Hinweisen. Vom Leiter der Charterbasis auf Tioman, Sébastien, gibt es einen sehr guten, selbstgeschriebenen Revierführer, den er – zumindest seinen Chartergästen – auch vorab als pdf zuschickt (Emailadresse von mir, meine Adresse siehe Impressum). Weitere Infomationen gibt es auf diesen Websites:
South East Asia Pilot
Yacht Carillon