Pulau Grilled Chicken

31. Mai 2011

Wir fuhren weiter mit Kurs auf Pulau Rawa. Auf dem Weg dorthin sahen wir drei kleine Inseln, von einer leuchtete uns ein traumhaft weißer Sand­strand entgegen. Auf unseren Karten waren diese Inseln nur als Dangerous Rocks mar­kiert. Wirklich gefährlich war hier in Wirklichkeit nichts, die Inseln sind zumindest am Tag ganz deutlich zu erkennen. Als wir näher kamen ent­deckten wir eine Mooring-Boje, an der wir festmachten. Ich tauchte sie kurz ab: Das Seil war dick und mit Muscheln besetzt – sie musste also schon länger hier liegen. Die Befestigung auf über 10 m Tiefe konnte ich nicht erkennen, aber die See war ruhig und der Wind stand günstig, so beschlossen wir, erstmal zu bleiben.

Die Insel war ein Traum. Wir konnten problemlos mit dem Dinghy bis zum Strand fahren. Er war schneeweiß, es lag kaum Müll herum, dafür ragten einige Felsen dekorativ aus dem Wasser. Wir erforschten die Insel. Im Gebüsch hinter dem Strand entdeckten wir eine einfache Hütte. Ganz so einsam war diese Insel wohl doch nicht.
Beim Klettern über die Felsen riss Steffen sich den Fuß auf. Nicht nur die Felsen waren hier scharfkantig, es wuchsen auch noch gemein spitze Muscheln auf ihnen. Er fuhr zurück zum Boot, um die Wunde zu versorgen.

Nachdem wir uns sattgesehen und gefühlte 1000 Fotos verschossen hatten, fuhren wir zurück auf unser Boot. Gerade noch rechtzeitig, denn in unserer Begeisterung hatte niemand bemerkt, dass ein Gewitter aufzog. Kaum waren wir an Bord, frischte der Wind deutlich auf und eine Dinghy-Fahrt wäre jetzt kein Spaß mehr gewesen.

Ich hatte das Gefühl, dass unsere Mooring slippte, das heißt, ihre Verankerung wurde von unserem Boot über den Grund gezogen. Vielleicht sah das auf dem GPS auch nur so aus, weil der Wind inzwischen gedreht hatte und aus östlichen Richtungen kam. Mag sein, dass wir uns einfach nur um die Verankerung der Mooring drehten. Auf jeden Fall lagen wir jetzt so, dass wir sollte sie nicht halten auf die Insel getrieben wurden. Ich beschloss loszumachen und im Norden der Insel zu ankern. Ein selbst eingefahrener Anker war mir lieber als eine zweifelhafte Mooring.

Kurz nachdem wir den Anker gesetzt hatten, ergoss sich ein tropisches Gewitter über uns. Heftig aber warm, eine kostenfreie Dusche! Mit dem Wellness-Programm ging es weiter, und zwar mit einer gemischten Sauna unter Deck. Dank den Regen konnten wir die Luken nicht öffnen, dementsprechend staute sich die Hitze. Nach einem Snack legten sich erstmal fast alle in die Kojen, um etwas Schlaf nachzuholen.


Heute Abend wollten wir eine Party am Strand machen, mit Lagerfeuer. Wir waren gerade bei den Vorbereitungen, als sich ein kleines Schiff näherte. Die wollen doch nicht...? Tatsächlich, sie fuhren auf unsere Insel und unseren Strand zu. So ein Mist. Nachdem sie einige Kisten entladen und die Angel ausgepackt hatten, war klar, die bleiben länger. Wenigstens hatte die Insel noch einen zweiten Strand, auf den wir ausweichen konnten. Er war zwar nicht ganz so schön wie der andere, aber immer noch ein Traum.

Am Strand und in den Büschen dahinter fand sich genügend Material für ein Lagerfeuer. Bis es ordentlich brannte und genügend Glut für den Grill abwarf, versuchten Konrad und Steffen Kokosnüsse mit einer langen Bambusstange zu Ernten. Obwohl sie die Nüsse mehrfach trafen blieben sie fest angewachsen an der Palme.


Reisetipps

Pulau Grilled Chicken - auf unseren Seekarten war an dieser Stelle keine wirkliche Insel verzeichnet. Deshalb beschlossen wir, sie auf diesen Namen zu taufen, zum Gedenken an unseren Grillabend. Ganz unbekannt war sie aber offensichtlich nicht. Im Westen der Insel gibt es eine (zweifelhafte) Mooring und außer uns feierten wohl einige Einheimische hier eine Party. Der Ankergrund im Norden der Insel ist aber wunderbar.

Die Seekarten des Tioman-Archipels sind sehr ungenau. Diese Gruppe von drei Inseln war, wie oben erwähnt, nur als Dangerous Rock eingezeichnet. Ein wirklich gefährlicher Felsen einige Seemeilen weiter war dagegen garnicht in der Karte vermerkt. Bei der Inselumrundung von Tioman zeigte das Echolot plötzlich statt 30 m nur noch 8 m. Und das obwohl wir uns gut von der Insel frei gehalten hatten.