Daylight Hole

6. Mai 2009

Für den Nachmittag hatte ich beim örtlichen Ober-Organisator Miguel einen Ausflug zum Daylight Hole, einer angeblich imposanten Höhle, gebucht. Als Führer wurde mir ein Park-Ranger versprochen und zumindest hatte der Kerl, der mir vorgestellt wurde, auch entsprechende Kleidung, Uniform kann man es allerdings nicht nennen.

Die ersten paar Kilometer fuhren wir mit einem Tricycle (das ich noch extra zahlen musste, grrrr...), es ging ein kurzes Stück die Straße nach Puerto Princesa zurück. Tricycles sind Mofas, an die ein mehr oder weniger kunstvoller Beiwagen mehr oder weniger professionell angebaut wurde. Meist weniger. Auf einem Abschnitt mit stärkerem Gefälle brach mal eben die linke Aufhängung der Hinterachse. Die war wohl vorher schon nicht so ganz in Ordnung, deshalb also hatte mein Führer anstatt sich mir gegenüber in den Beiwagen zu setzen, hinter dem Fahrer Platz genommen. Der wiederum leitete eine Notbremsung ein, indem er sein Gefährt in einen Kieshaufen lenkte. Er war sichtlich erleichtert, dass sein Passagier anbot, den Rest bergab zu Fuß zu gehen. Die weitere Strecke ging nach kurzem Gebastel wieder ganz gut und wir wurden am Abzweig eines Pfades von der Straße abgesetzt.

Das Haus des Rangers war ganz in der Nähe, was dieser nutzte, sich Zivilklamotten anzuziehen, eine Taschenlampe (groß und gelb aber mit leeren Batterien) und eine Machete (total verrostet) zu holen, sowie seinen Onkel zu aktivieren, der den Weg wusste. Der Pfad verlief zunächst zwischen Reisfeldern, später in den Dschungel hinein.

Nach einiger Zeit kamen wir an den Fluß, der, wie mir erklärt wurde, den Underground River speist. Meine Führer standen etwas ratlos an seinem Ufer, denn dort, wo sie letzte Woche noch eine behelfsmäßige Brücke vorgefunden hatten, waren heute durch den starken Regen der letzten Tage nur schlammige Fluten zu sehen. Sie waren der Meinung, dass man hier wohl umkehren müsse, wahrscheinlich in der Annahme, dass der vornehme Tourist sich kaum die Füße naß machen wird. Ich war aber ganz und garnicht gewillt hier umzudrehen und machte den beiden klar, dass alles bei mir wasserdicht verpackt sei, ich auch das Funkgerät des Parkrangers wasserdicht verstauen könne und ich keine Probleme mit nassen Schuhen hätte. Der Baumstamm, der als Brücke diente war durchaus noch da, nur 20 cm unter der Wasseroberfläche. Er war gut zu ertasten und den größten Teil der Strecke konnte man sich an einer Bambusstange festhalten, die locker über zwei Astgabeln gelegt war. Dann ein kurzes Stück an einer Liane und für den Rest gab es sogar eine Art Geländer...

Nach einer weiteren Dschungel-Etappe musste der Fluß ein weiteres Mal durchquert werden, diesmal gab es keine Brücke und das Wasser ging bis zum Bauch. Ich musste unwillkürlich daran denken, was in der Beschreibung zu meiner Afrika-Tour 2006 im Reiseprospekt stand: "Dies ist kein Erholungsurlaub!". Für ihre wasserdichten Ziplock-Beutel bin ich der Firma Melitta wirklich sehr dankbar.

Zum Schluß der Wanderung gab es noch eine Kletterei im 1. bis 2. Grad. Erstaunlich genug, dass der Onkel mit seinen angeblich 62 Jahren immer zackigen Schrittes vorauskletterte, entschuldigte sich der Ranger irgendwann, dass es bei ihm nicht so schnell ginge. Ihn habe ein Tricycle angefahren, deshalb habe er eine gebrochene Schulter. Beide gingen natürlich in Flipflops, ich war über meine "richtigen" Schuhe sehr froh, auch wenn sie wegen der Flußdurchquerungen die nächsten Tage bestimmt nicht mehr trocken würden.

Oben angekommen tat sich eine gewaltige Höhle auf, 50 m breit und mindestens ebenso hoch, ein Anblick, der mit Fotos nur unzureichend wiedergeben werden kann, nochdazu weil in den meinen leider Vergleichsobjekte fehlen, anhand derer man die wahren Dimensionen abschätzen könnte. Ich setzte mich einen Augenblick und genoß die Stille, die nur ab und zu durch die Schreie einer Schwalbe durchbrochen wurde, die in die Höhle heimkehrte. Mit etwas Kletterei auf rutschigem Fels stiegen wir einige Meter in die Höhle hinab, allerdings blieb der Parkranger zurück, mit seiner kaputten Schulter war ihm das wohl doch zu heftig. Das diffuse Licht, leichte Dampfschwaden, mit grünem Moos überzogene bizarre Felsen und immer mal wieder eine Schwalbe, die sich schreiend ihren Weg ins Innere suchte, all dass ließ die Szene sehr unwirklich wirken - wie aus einer vergessenen Urwelt.

Nach einer halben Stunde Pause und einigen Fotos machten wir uns auf den Rückweg. Am Haus des Rangers angekommen verabschiedete sich sein Onkel und ich wurde noch auf einen Kaffee eingeladen, um die Wartezeit auf den Jeepney zurück nach Sabang zu überbrücken. Mir wurden Frau und Kinder vorgestellt, letztere spielten ohne dass es die Eltern interessierte mit einem riesigen Küchenmesser und versuchten damit, Stücke aus einem Zuckerrohrstängel herauszubekommen.

Mein Gastgeber fragte, ob ich denn schon gezahlt hätte. Ich verneinte und fragte, ob ich jetzt bei ihm zahlen solle. Obwohl ich den ausgemachten Preis noch im Kopf hatte erkundigte ich mich spaßeshalber, was es denn kosten sollte. Wie ich mir schon dachte kam die Gegenfrage, was denn Miguel gesagt hätte. Ich überlegte, ob es vielleicht angebracht wäre, den Preis ein wenig zu meinen Gunsten zu "optimieren", zahlte dann aber doch brav die ausgemachten 1000 PHP.
Da wohl kein Jeepney mehr kam wurde per Funk ein Tricycle aus Sabang bestellt. Der Verbrecher wollte 150 PHP für die kurze Strecke, er wusste ja, dass es hier draußen schwierig werden würde, Konkurrenz zu finden. Während wir noch verhandelten brauste plötzlich Miguel auf seinem Motorrad heran. Er habe sich angeblich Sorgen gemacht, weil ich nicht im letzten Jeepney saß und außerdem wollte er bestätigen, dass das Schiff morgen nach Port Barton fährt. Aha, interessant, heute morgen bei der Buchung und den Preisverhandlungen meinte er noch, es würde auf jeden Fall fahren... Dankenswerterweise bot er an, dass ich mit ihm zurück nach Sabang fahren könnte und der Wucher-Tricycle-Fahrer schaute in die Röhre. Hehe.

Reisetipps

Daylight Hole: 1000 PHP für eine einzelne Person, in einer Gruppe sicher günstiger
Festes Schuhwerk notwendig, Kletterei im 1. bis 2. Grad, mehrere Flußdurchquerungen, Plastiktüte für die Kamera und eine Taschenlampe mitnehmen. Eine weitere Beschreibung gibt es unter www.nikswieweg.com.