Dolarog

10. Mai 2009

Gegen 6:30 Uhr wachte ich auf, vermutlich weil plötzlich das vertraute Summen der Moskitos aufhörte. Warum war auch sofort klar – auf einem der Nachbargrundstücke fand offenbar gerade eine Müllverbrennung statt und Rauch mögen die Biester nunmal überhaupt nicht. Ich allerdings auch nicht. Also stand ich auf, um ein paar Fotos zu machen. In der Früh ist das Licht dafür ja besonders gut und dass sich Rauch manchmal ganz gut macht, weil er eine morgendliche Nebel-Stimmung imitiert, dass wusste ich schon von meiner Thailandreise. Auf dem Nachbargrundstück verbrannte jemand Palmenzweige, wenigstens kein Plastik.
Geschäftsidee: Komposthaufen in Südostasien einführen. Erstmal frühstückten wir aber ausgiebig, um uns für die folgende Erkundungstour fit zu machen.

Wir hatten im Internet in der Nähe von El Nido ein recht luxeriöses Resort gefunden, dass zwar teuer war, aber immerhin nicht so extreme Preise hatte, wie die Resorts auf den vorgelagerten Inseln. Hier verbringt vor allem die koreanische und chinesische Oberschicht mal ein paar Tage; für 250 € aufwärts, pro Person und Nacht versteht sich.
Wir hielten ein Tricycle an der Straße an, aber beim Stichwort Dolarog (so hieß das Resort) witterte der Fahrer anscheinend das Geschäft seines Lebens und nannte einen utopischen Preis – offenbar sind die Leute, die normalerweise dort absteigen so naiv, dass sie diese Preise akzepieren. Mit Hilfe eines zweiten Tricycle-Fahrers, den Inés stoppte und parallel verhandelte, reduzierten wir seinen phantasievollen Preis auf ein erträgliches Maß. Allerdings fuhr er uns nicht direkt zum Resort, sondern zu einem Pfad, der angeblich dahin führen sollte. Ich dachte schon, dass er uns einfach nur loswerden wollte, weil wir nicht seinen Traumpreis bezahlen wollten, aber der Pfad war wirklich die einzige Möglichkeit, auf dem Landweg zum Dolarog Resort zu gelangen.

Ein paar hundert Meter ging es bergab und dann den Strand entlang. Und zwar an einem Traumstrand! Einziges Problem war, dass wir uns mal wieder die beste Zeit herausgesucht hatten, 10 Uhr war es inzwischen, und die Sonne kletterte unaufhaltsam Richtung Zenit. Aber hinter jeder Ecke konnte ja unser ersehntes Ziel liegen. Erstmal lag aber das Las Cabanas Resort auf unserem Weg. Ich hatte auch schon davon gelesen und die Anlage sah sehr nett aus. Auch nicht ganz kostengünstig, trotzdem ließen wir uns mal ein Cottage zeigen (Hütte darf man ab dieser Preisklasse nicht mehr sagen). Es war ganz nett, aber keine Verbesserung, die den fünffachen Preis gegenüber dem Greenviews gerechtfertigt hätte. Also zogen wir weiter und erreichten einige Ecken später tatsächlich das Dolarog. Wir bestellten uns erstmal etwas zu trinken, denn wir waren völlig unausgerüstet hierher gekommen. Auch hier waren die Unterkünfte, die in der Preisklasse lagen, die uns vorschwebte, nicht wesentlich besser als das Greenviews. Und obwohl fast alles leer stand war es uns nicht möglich, auch nur einen Peso Preisnachlass auszuhandeln. Wir machten uns etwas enttäuscht auf den Rückweg. Da trafen wir Dan, einen Kanadier, der gestern mit uns auf dem Boot aus Port Barton angekommen war. Er hatte schon eine gewisse Berühmtheit in El Nido erreicht, denn gestern sprach das halbe Greenviews von einem verrückten Typen, der mit seinem Hartschalenkoffer den Strand entlang gelaufen ist. Er zeigte uns sein Zimmer im Dolarog und wir waren begeistert. Wir wollten eigentlich nicht so viel Geld ausgeben, aber letztendlich war es das Wert.

10 Minuten nachdem wir das Zimmer gebucht hatten war ein Boot klargemacht worden, mit dem wir zum Greenviews Resort fuhren, um auszuchecken und unsere Sachen zu holen. Der beste Weg, hierher zu kommen ist eben über das Meer...

Nach unserem Umzug bestellte ich mir erstmal eine Hühnersuppe. Das Huhn sah allerdings aus, als sei es vom letzten Tricycle-Unfall übriggeblieben. Es ist ja schon grausam, wie hier normalerweise Hühner­fleisch ausschaut, wenn es auf den Teller kommt: Das Huhn wird einfach in Stücke gehackt und zwar ohne das Fleisch vorher von Knochen und Haut zu befreien und ohne Rücksicht auf irgendwelche anatomischen Gegebenheiten. Wie man diese Brocken dann essen soll, oft nur mit Gabel und Löffel, war mir lange Zeit ein Rätsel, bis ich irgendwann zwei Pinoys dabei beobachten konnte. Sie schoben sich die Stücke komplett in den Mund und spuckten die Reste wieder aus. Mahlzeit. Bei dem vorliegenden Huhn war aber alles schon so zerkocht, daß sich dieses Problem erübrigte.

Den Nachmittag verbrachten wir faul vor unserer Luxus-Herberge. Ich ging noch schnorcheln und entdeckte etliche Rotfeuerfische, die auch wirklich mal rot waren, denn die Exemplare, die ich bisher beim Tauchen gesehen habe, waren eher schwarz. Als ich durch durch die Flachwasserzone zurückging, entdeckte ich noch einen Krokodilsfisch, der zwischen dem Seegras lag – böse, wenn ich da draufge­stiegen wäre...

Mitten in der Nacht wachten wir auf. Ein Vogel schien sich in unsere Hütte verirrt zu haben. Durch sein ständiges Rufen Eeee-Ooohh-Eeee-Ooohh und ein Kratzen an der Wand hinter unserem Bett waren wir wach geworden. Wir konnten ihn nicht vertreiben, einige Zeit später aber war aber der Spuk vorbei und wir schliefen weiter. Einige Tage später erklärte uns der Eigentümer des Resorts, dass wir einen Gekko gehört hatten. Unter dem Dach jeder Hütte hat einer sein Revier. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie solch ein kleines Tier solch laute Geräuche machen konnte. Diese Gekkos waren aber ein anderes Kaliber, als dass, was sonst dankenswerterweise die Fliegen und Mücken neben den Lampen wegfrisst. Einige Tage später in Anda auf Bohol sahen wir ein solches Expemlar.

Reisetipps

Dolarog Beach Resort - ab 4300 PHP Voll­pension, inkl. Transfers und Boot fürs Island-Hopping. (Preis pro Person, nicht wie sonst üblich pro Zimmer. Verhandeln war nicht möglich...) Bei Kreditkartenzahlung wird ein Zuschlag berechnet.

Miniloc/Lagen Island Resort - vielleicht hat ja jemand die 250+ € übrig und läd uns mal für ein paar Tage ein... Vorsicht beim anklicken, die Seite will gleich noch zwei wunderschöne Pop-ups aufmachen...

Las Cabanas - 4200 PHP Vollpension. Nette Anlage, kein Pool, Preis evtl. verhandelbar.