Bergfahrt

20. Mai 2009

Ich wollte unbedingt wieder Mofa fahren, das hatte mir in Thailand schon wahnsinnigen Spaß gemacht. Im Philippinenforum hatte ich gelesen, dass es zwischen Jagna an der Küste und Sierra Bullones in den Bergen eine sehr schöne Straße gibt. Von dort aus könnte man dann weiter zu den berühmten Chocolate Hills fahren und schließlich über die Küste wieder zurück. Um halb neun sattelten wir das Mofa.

Das wichtigste beim Mofafahren auf den Philippinen ist der linke Daumen. Dieser wird am Knopf für die Hupe platziert und dort während der Fahrt keinesfalls mehr weggenommen (man beachte die korrekte Position auf dem Foto rechts!). Den darüberliegenden Schalter für den Blinker kann man getrost vergessen, ein gesetzter Blinker würde die anderen Verkehrsteilnehmer allerhöchstens verwirren. Wenn man mal ausnahmsweise über ein geplantes Abbiegen informieren will, gibt man ein Handzeichen, so wirklich interessieren wird das aber niemanden. Grundsätzlich wird die Hupe vor allem dann eingesetzt, wenn man in Mitteleuropa bremsen würde. Außerdem vor und während des Überholens, um den Gegenverkehr zu grüßen, um Fußgänger, Hunde und Hühner von der Fahrbahn zu verscheuchen, etc. Ein Van-Fahrer auf dem Transpalawan Highway hupte auch vor Schlaglöchern, ob er so die Insassen warnen wollte oder hoffte, das Schlagloch würde es sich im letzten Augenblick anders überlegen und zur Seite springen, konnte ich leider nicht abschließend klären.

Motorradhelme bzw. im Auto Sicherheitsgurte werden von den meisten Europäern völlig überbewertet. Der Philippino verlässt sich dagegen lieber auf sein Kruzifix, das bei Autos am Rückspiegel und bei Mofas am Lenkrad be­festigt wird. Vor Fahrt­antritt wird es berührt und man bekreuzigt sich. Das ist nicht nur bequemer als ein Gurt, sondern so ein Motorradhelm birgt auch unscheinbare Ge­fahren: Zwielichtige Gestalten könnten ihn zur Verbergung ihrer Identität bei einem Überfall verwenden, der ehrliche Philippino, der natürlich nichts zu verbergen hat, benutzt deshalb lieber lediglich ein Käppi – wegen der Sonne.

Weitere, ernster gemeinte Tipps gibt es bei den Länderinfos, unter Auto/Mofafahren auf den Philippinen.

Die kleine Straße, die von Anda nach Guindulman führt, war noch harmlos. Geteert, keine Schlaglöcher und wenig Verkehr. Kurz nachdem wir auf die Hauptstraße, die rund um die Insel verlief, eingebogen waren, gab es eine Tankstelle. Wesentlich weiter wären wir auch nicht gekommen, denn wie in Thailand werden auch hier die Mofas mit möglichst leerem Tank übergeben. Wir tankten voll und erkundigten uns nach einem Geldautomaten. Den gab es in der nächsten Stadt. Funktionierte aber nicht, zumindest nicht mit westlichen Kreditkarten, geschweigedenn mit der EC-Karte. Schade. Kreditkartenzahlung kostet einen Aufschlag im Hotel, den hätte ich mir gerne gespart.

Wir fuhren die Küstenstraße weiter bis in die kleine Stadt Jagna. Von hier aus ging eine Straße durch die Berge bis Sierra Bullones. Zunächst war sie noch gut ausgebaut und geteert. Bald aber bestand sie nur noch aus verdichteter Erde und – durch die Regenfälle der vergangenen Nächte – aus viel Schlamm. Alle paar Kilometer kam eine Baustelle. Mit schwerem Gerät wurde versucht, diese Schlamm­piste zu betonieren. Bis die nächste Regenzeit wieder alles wegspült. Straßenbau in den Tropen ist ein schwieriges Geschäft.
Wir fahren durch kleine Dörfer mit einfachen Hütten. Am Straßenrand spielen Kinder und Jugendliche hängen herum. Mehrfach rufen sie uns Hey Joe! zu. Joe heißen nach Meinung der Philippinos alle westlich aussehenden Ausländer. Als ich Hey Pinoy! zurückrufe lachen alle.

Nachdem die Piste immer schlechter wurde, beschlossen wir umzukehren. Die Oberfläche war zwar gut verdichtet und so waren Passagen mit tiefem Schlamm selten, aber schmierig allemal. Nicht einfach zu fahren, wenn man zu zweit auf einem untermotorisierten Mofa sitzt. Auf dem Rückweg begegneten uns mehrere Jeepneys und ich hätte wirklich gerne gesehen, wie diese die Stelle überwinden, an der wir umgedreht hatten.


Am Nachmittag organisierte ich meine Tauchgänge für morgen. Ich hatte schon gestern beim Blue Star Resort angefragt, aber dort war man sich noch nicht sicher, ob überhaupt getaucht wird, da die meisten Gäste einen Ausflug gebucht hatten. Als ich mich erkundigte, wie denn die Chancen auf einen Tauchgang stünden, erklärte man mir fröhlich, dass es ja wunderbar sei, dass ich jetzt hier bin, denn ich müsse noch den Ausflug zu den Choclate Hills für morgen bezahlen, auf den ich gebucht bin. Wie bitte??? Ich wollte tauchen und keinen Massentouri-Ausflug machen...
Im nächsten Resort war es aber kein Problem, für morgen noch zwei Tauchgänge zu organisieren.

Reisetipps

Chocolate Hills - kegelförmige Hügel, die nur mit Gras bewachsen sind. Dieses färbt sich in der Trockenzeit braun und gibt den Schokoladen­hügeln ihren Namen. Angeblich die wichtigste Attraktion von Bohol. Wir haben sie nur auf Fotos gesehen, aber ich denke, wir haben kaum etwas verpasst.