27. November 2011
Ich hatte schlecht geschlafen, weil die Matratze in meinem Hostel total durchgelegen war. Dementsprechend missmutig lief ich durch die Straßen von Sucre, auf der Suche nach einem Frühstück. Aber alles war geschlossen. Im Joy Ride Café bekam ich endlich einen dicken Pfannkuchen und eine große Tasse Kaffee. Am heutigen Sonntag war in dieser Stadt praktisch nichts los. Kein Museum, keine Kirche, kein Gebäude das ich hätte besichtigen können. (Das Bild rechts stammt vom Vortag.)
Auf der Plaza 25 de Mayo (dem Hauptplatz von Sucre) entdeckte ich den Bus, der die Touristen zu den versteinerten Dinosaurierfußspuren etwas außerhalb der Stadt brachte. Eigentlich wollte ich in Dinospuren im Torotoro-Nationalpark besichtigen, aber dieser Plan hatte sich aus Zeitmangel schon erledigt. Dann wenigstens hier.
Die Fußspuren befanden sich auf einer fast senkrecht stehenden Felsplatte, die mehrere 100 m lang und bestimmt 50 m hoch war. Man konnte sie allerdings nur von weitem betrachten, auf das Gelände selbst durfte man nicht. Dafür gab es in der Nähe ein Museum, ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass man hier etwas anderes als Plastiknachbildungen von Dinosaueriern und Schautafeln mit längst bekannten Fakten zu sehen bekommt. Deshalb sparte ich mir den zusätzlichen Eintritt und vertrödelte ich die Zeit, bis der nächste Bus zurück nach Sucre fuhr. Ein paar Minuten vor der Abfahrt sprach ich den Fahrer an, ob er mich nicht am Busbahnhof rausschmeissen könnte. Ich hatte auf meinem GPS gesehen, dass wir auf der Hinfahrt in der Nähe vorbeigefahren waren und wollte dort schonmal Bustickets für die Rückfahrt nach La Paz kaufen. Ich stellte mich auf ein längeres Gespräch ein, denn mein Spanisch war nur rudimentär und dass er Englisch sprach war mehr als unwahrscheinlich.
Nach dem Versuch eines Satzes auf Spanisch, in dem terminal de autobus
(Busbahnhof) vermutlich das einzig verständliche Wort war – von grammatikalischen Katastrophen mal ganz abgesehen – kam von dem Fahrer ein völlig trockenes no hay problema
. Ich kann Spanisch!
Am Busbahnhof gab es eine kleine Enttäuschung: Ich wollte eigentlich einen Bus nach La Paz mit extragroßen Sitzen buchen, in denen man prima schlafen kann. Aber es gab nur noch Plätze im normalen Bus. Mist.
Zurück ins Zentrum nahm ich einen Micro, einen der garnicht so kleinen Busse, mit denen die Einheimischen fahren. Der Fahrer antwortete auf meine Frage, ob er zur Plaza
fahren würde, zwar mit einem bestimmten Sí!
, mir kamen aber leichte Zweifel, als wir uns immer länger durch die Straßen der Vororte quälten, auf denen heute offensichtlich Markttag war. Die Fahrt war aber ein tolles Erlebnis und irgendwann bogen wir auch tatsächlich auf eine Straße direkt ins Zentrum ein. Der Fahrer machte mich persönlich drauf aufmerksam, wann ich am besten aussteigen sollte.
Die Touristeninformation – bei der ich schon am Morgen vergeblich war – war immer noch geschlossen, obwohl sie eigentlich auch am Sonntag geöffnet sein sollte. Ein paar Räume weiter traf ich auf einen gelangweilten Polizisten, der mir aber auch keinen Hinweis geben konnte, wann hier jemand anzutreffen wäre.
Durch die engen Straßen von lief ich bergauf zum Cafe Mirador, von dem man eine schöne Aussicht über die Stadt haben sollte. Der Blick war ganz nett, aber nachdem mich die Bedienung fast eine halbe Stunde lang ignoriert hatte, ging ich wieder. Meine Cola kaufte ich mir dann lieber bei einem kleinen Kramerladen.
Auf meinem Weg weiter durch die Stadt sah ich in einem Hauseingang eine Dame, die Mangosaft anbot. Ich machte hier eine kleine Pause. Der Innenhof des Gebäudes war zu einem improvisierten Café umgerüstet. Sehr nett. Als ich gehen wollte, wurden die 2 Bs allerdings nochmals kassiert, die ich schon anfangs für den Saft gezahlt hatte. Wegen 20 Euro-Cent wollte ich mich aber nicht aufregen, deshalb bezahlte ich nochmals. Als ich dann weiterlief kam mir die Dame sehr aufgeregt hinterhergelaufen, entschuldigte sich vielmals und gab mir die zuviel bezahlten 2 Bolivianos zurück.
Am Busbahnhof sprach mich ein Junge an, ob ich an einem Ticket nach La Paz interessiert wäre. Nö, ich hab ja schon eines und wenn, dann nur für einen Tres Filas Bus. Klar, genau so eines hätte er. Ich war skeptisch und ging mit ihm zum Schalter der Busgesellschaft. Dort wurde mit bestätigt, dass es ein gültiges Ticket war. Für 130 Bs erwarb ich es, mein altes wurde für 40 Bs in Zahlung genommen, zumindest die Hälfte von dem, was ich gezahlt hatte.
Eine halbe Stunde nach der Abfahrt machten wir eine Stopp an einer Reihe von Verpflegungsständen, einige Reisende stiegen aus und kauften sich ein Abendessen. Einige Zeit später setzten wir unsere Fahrt durch die Nacht fort. In den bequemen Sitzen schlief ich schnell ein.
Reisetipps
Hostal Colon 220, Calle Colón N° 220, Sucre, Tel.: +591-4-64-55823, Email: colon220@bolivia.com - laut meinem Reiseführer eine besonders empfehlenswerte Adresse, statt den versprochenen netten und informativen Besitzern kümmerte sich nur ein lustloser Jugendlicher um die Rezeption. Die Zimmer waren brauchbar, aber für den Preis nichts besonderes.
Joy Ride Café - Gringo-Café und Restaurant. An manchen Tagen werden Filme gezeigt, außerdem ist ein Reisebüro angeschlossen.
Cafe Mirador, Plaza la Recoleta - Restaurant mit genialer Aussicht auf Sucre, leider aber auch mit grottenschlechtem Service. Die Qualität der Küche konnte ich leider nicht testen, da sich auch nach einer halben Stunde keiner der Kellner dazu herabließ, mich zu bedienen.
Dino-Bus - startet täglich um 9.30, 12.00 und 14.30 Uhr bei der Kathedrale an der Plaza 25 de Mayo. Er kostet 17 Bs. Vor Ort zahlt man nochmals 35 Bs für das dortige Museum, das ist aber nicht verpflichtend.
Tres Filas Busses - diese Doppeldecker-Busse haben nur drei Sitze pro Reihe, statt der üblichen vier und bieten auch sonst sehr viel Komfort, so dass man nach selbst einer Übernachtfahrt über die Straßen Boliviens recht entspannt ankommt. Preis: xx statt 90 Bs im Semi-Cama.