24. November 2011
Früh morgens nahmen wir einen Bus, der uns von Uyuni nach Potosí bringen sollte. Auf den Schotterpisten in Bolivien können die Busse maximal 30-50 km/h fahren, weshalb man für die 200 km lange Strecke durchaus mit 5-6 Stunden rechnen sollte. Versüßt wurde die Fahrt dadurch, dass der Fahrer endlos das gleiche Lied spielte.
Potosí liegt auf über 4000 m über dem Meeresspiegel und ist damit die höchstgelegene Großstadt der Welt. Im 17. Jahrhundert war sie dank der reichen Silbervorkommen des Cerro Rico (=Reicher Berg
) auch eine der größten Städte, noch vor Paris und London.
Zu fünft fuhren wir vom Busbahnhof mit einem Taxi zu unserem Hostel. Zu fünft, plus Fahrer und Gepäck wohlgemerkt, und das in einem Auto, das in Deutschland vor zwanzig Jahren schon nicht mehr durch den TÜV gekommen wäre. Der Empfang im La Casona war wenig herzlich, da mein Spanisch für lateinamerikanische Muttersprachler offenbar noch nicht ganz einfach zu verstehen war. Man widmet sich erstmal einfacher zu bedienenden Kunden, auch wenn diese deutlich nach mir gekommen waren. Irgendwie schaffte ich es trotzdem, ein Zimmer zu ergattern. Neben dem Zimmerschlüssel wurde mir an der Rezeption eine Fernsteuerung für den Fernseher, ein Handtuch sowie eine Rolle Klopapier übergeben. All diese Wertgegenstände
durfte ich persönlich auf mein Zimmer tragen.
Das Zimmer war es zugegebenermaßen wert, die unfreundliche Rezeption zu ertragen: Geräumig, ein großes Bett, sauber und alles im alles im Kolonialstil eingerichtet. Nur im Bad bröckelte der Putz von der Decke und die Verbindung zu dem versprochenen Wifi wurde ständig unterbrochen. Aber das waren lediglich Lächerlichkeiten, die man in Kauf nehmen muss, wenn man diesen Teil der Welt bereisen möchte.
Nach einer kurzen Dusche brach ich auf, um die Straßen von Potosí zu erkunden. Ich lief zunächst Richtung Bahnhof, dort wollte ich Fahrkarten für den Ferrobus nach Sucre reservieren. Die Innenstadt war erstaunlich sauber. An manchen Häuserwänden hingen Schilder, die kostspielige Strafen androhten, wenn man Müll auf der Straße entsorgte. Praktischerweise wurde gleich eine Nummer angegeben, unter der man Sünder
denunzieren konnte.
Kaum dass ich aber aus dem touristischen Teil der Stadt herausgekommen war, sahen die Straßen schon wieder ganz anders aus: Müll und Dreck überall. Die Zufahrt zum Bahnhof war längst verfallen. Die zwei großen Türen – eine für die Passagiere der 1. Klasse, eine für die der 2. Klasse – waren geschlossen. Ein Wachmann wies mich freundlich darauf hin, einfach um das Gebäude herumzulaufen. Auf der anderen Seite konnte ich tatsächlich ein Ticket reservieren, zumindest durfte ich meinen Namen und die Passnummer auf einen Zettel schreiben. Meine Versuche, auf Sitz 25 zu bestehen (das ist der neben dem Fahrer), wurden mit Ja, kostet 25 Bolivianos
beantwortet. Ich bin gespannt, was von dieser Reservierung
übermorgen noch übrig bleibt.
Hinter dem Bahnhof stand auf einem Abstellgleis eine alte Dampflokomotive samt angehängtem Güterzug. Sie zu erforschen war fast noch spannender, als die des Eisenbahnfriedhofs von Uyuni. Denn hier waren keine Touristen unterwegs, nur ein paar jugendliche Einheimische. Ich kletterte auf den Bremswagen am Ende des Zuges und konnte mich von dort aus – wie man das aus alten Wildwest-Filmen kennt – auf den Dächern der anderen Wagons entlangbewegen.
Kurz vor dem Bahnhofsausgang sah ich in das Einfahrtstor zur Wartungshalle der inzwischen auch in Bolivien eingesetzten Diesellokomotiven. Etwas verlegen schaute ich hinein. Aber die anwesenden Lokführer winkten mich heran und waren sehr stolz, mir ihr Baby
vorzuführen.
In einer Seitenstraße entdeckte ich ein Schild Greengo Tours
. Dieser Veranstalter hatte viele gute Bewertungen im Lonely Planet Thorntree Forum, daher buchte ich für morgen eine Tour in die Minen von Potosí.
Anschließend machte ich mich auf die Suche nach einem Restaurant für das Abendessen. Die Empfehlungen fand ich nicht, statt dessen ein Einheimischenrestaurant mit Grill vor der Tür. Es gab ein leckeres Steak und ein Bier. Als der Ober mit einer 1 l-Flasche auftauchte, staunte ich nicht schlecht – ich dachte immer, Bayern sei das einzige Land, in dem man Bier Maß-weise trinkt.
Reisetipps
Hostal Casona Potosí, Calle Chuquisaca 460, Potosi, Tel.: +591-2-6230523, Email: casona@hotelpotosi.com - Hostal mit großen, schönen Zimmern im Kolonialstil. Das Personal ist leider nicht wirklich freundlich, das Frühstück zu vergessen. Freies Wifi in der Lobby (ging teilweise auch auf meinem Zimmer) und Wäscheservice.
Busse in Bolivien - gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen, von 40 Jahre alten Vehikeln, deren Verkehrssicherheit sehr bezweifelt werden darf, bis zu ultramodernen Tres Filia
-Bussen. Allen gemein ist eine doch sehr geringe Reisegeschwindigkeit von 30-50 km/h. Mehr ist auf Boliviens Schotterpisten einfach nicht möglich. Zwischenstopps, teilweise auf offener Strecke, um Passagiere oder Fracht aufzunehmen, tragen nicht gerade zur Pünktlichkeit bei. Wenn man sich nicht übers Ohr hauen lässt sind sie extrem günstig und normalerweise zuverlässig.
Die Busse sind meistens voll, sogar auf 6 stündigen Fahrten wird im Gang gestanden. Deshalb sollte man einen Fensterplatz am besten weit hinten im Bus buchen, sonst hat man womöglich einen Rucksack oder sonstetwas im Gesicht. Das muss man beim Ticketkauf besonders betonen, da die Sitzplätze normalerweise der Reihe nach vergeben werden. Das heißt, dass man manchmal vorne neben einer dicken Oma eingequetscht sitzt, hinten aber noch alles frei ist.
Genug Snacks und Getränke mitnehmen und auch längere Pannen einkalkulieren. Wenigstens sind die Busse nicht durch die Klimaanlage eiskalt heruntergekühlt wie man das aus Asien kennt. Allerdings sollte man sich auch nicht auf die Heizung verlassen und speziell nachts warme Klamotten mitnehmen.
Carril ist der Standplatz des Busses.