Wasserfälle

7. Dezember 2011

Mit einem Taxi war ich gestern vom Ende der Death Road nach Coroico gefahren. Die Stadt ist nur 56 km entfernt von La Paz, liegt aber 2300 m tiefer und hat damit ein wesentlich angenehmeres Klima. Für die Bewohner der Hauptstadt ist sie deshalb ein beliebtes Wochenendziel.

Ich hatte mich erstmal im Esmeralda eingemietet. Das Hotel war ganz nett, aber ein sehr unfreundlicher Nachtportier schmiss mich am Abend ohne Vorwarnung aus dem hauseigenen Internet-Café. Das das um 20 Uhr geschlossen wird (warum auch immer?) war zwar deutlich zu lesen, aber wenn kurz vor Schluss noch jemand anwesend ist, dann könnte man ihn durchaus erstmal freundlich darauf hinweisen.

Am nächsten Morgen zog ich um, und zwar ins Sol y Luna. Sigrid aus Deutschland hat hier vor fast 30 Jahren ein kleines Paradies aufgebaut. Etliche schnuckelige Hütten liegen am Hang verstreut in einem liebevoll gepflegten Garten. Die Aussicht auf die Berge ist überwältigend. Allerdings sind es einige Höhenmeter vom Stadtzentrum bis hierher. Schweißtreibend in der tropisch-feuchten Luft. Und die Taxifahrer im Ort wissen dies und verlangen dementsprechend einen ordentlichen Fahrpreis.

Vor dem Mittagessen wollte ich meine Wäsche zur Reinigung abgeben. Mit meinen doch sehr begrenzten Spanischkenntnissen konnte ich der Dame dort aber nicht klarmachen, dass ich den Plastiksack gerne gleich zurück haben wollte. Es war ein Kompressionsbeutel und wenn der nur ein bisschen beschädigt würde, dann wäre sein Nutzen dahin. Ich bat eine zufällig herumsitzende Kanadierin, ob sie nicht übersetzen könnte. Das war leider schwierig, letztendlich konnten wir uns dann aber doch mit Händen und Füßen verständlich machen.

Anschließend unterhielt ich mich sehr gut mit Linda – der Kanadierin. Wir verabredeten uns für den Nachmittag, um eine Wanderung zu Wasserfällen in der Umgebung zu machen.

Der Weg führte zunächst steil bergauf, bis zu einer kleinen Kirche. Ab dort verlief er fast ohne Steigung am Berg entlang, durch eine offene Buschlandschaft. Dazwischen immer wieder Coca-Felder.

Der erste Wasserfall war eingezäunt und viele Rohre leiteten das Wasser von hier aus ins Dorf. Man hatte wohl große Angst, dass jemand das Wasser verschmutzen könnte. Wir liefen einige Zeit weiter und standen plötzlich vor einer Steinmauer, die jegliches Weiterkommen verhinderte. Ihr Standort war sorgfältig gewählt: Der Pfad war hier kaum einen halben Meter breit, auf der einen Seite ging es 50-100 m steil bergab, auf der anderen steil bergauf. Es wäre durchaus möglich gewesen, die Mauer zu überklettern, aber auf der anderen Seite war der Weg auf mehreren Metern mit Gestrüpp verbarrekadiert worden. Wer auch immer aus welchen Gründen dieses Hindernis angelegt hatte – das war nicht hier, um gewöhnliche Touristen zum umkehren zu bewegen. Das war eine deutliche Aufforderung, umzudrehen. Wir folgten ihr.

Zurück in Coroico tranken wir ein Bier auf der Plaza. Anschließend erkundigen wir uns nach Touren für den nächsten Tag. Wir wollten nach Tocaña. Dort leben die wenigen übriggebliebenen Nachfahren der Sklaven, die die Spanier aus Afrika hierher verschleppt hatten. Die meisten kamen mit der Höhe und den harten Arbeitsbedingungen nicht zurecht. Die Spanier mussten erkennen, dass einzig die ursprüngliche Bevölkerung die Reichtümer dieses Landes für sie ausbeuten konnte.

Reisetipps

Esmeradla - deutscher Besitzer, flottes Internet, unfreundlicher Nachtportier, saubere Zimmer. Leider recht zugewachsene Aussicht.

Sol y Luna - mehrere Hütten mit bester Aussicht. Dusche und Klo sind in einem separaten Häuschen (zumindest war das in meinem Domizil, Nectar, so). Mit kleinem Garten samt Feuerstelle, Holz kann käuflich erworben werden. Außerdem gibt es einige günstigere Doppelzimmer sowie einen größeren Schlafsaal im Haupthaus. Für den Swimmingpool war es etwas zu kalt für meinen Geschmack. Die Besitzerin Sigrid bietet außerdem Yoga-Kurse und Massagen an, dafür gibt es ein eigenes Haus weiter oben am Berg.