Hugo

28. Mai 2011

Mersing

Heute wird ein langer Tag. Als wir drei (Inés, Steffen und ich) gegen 8 Uhr aufstehen, sind Aline, Alex und Konrad schon gute zwei Stunden unterwegs. Sie waren erst gestern Abend in Singapur gelandet, hatten sich noch für ein paar Stunden ein Hotel genommen und waren jetzt auf dem Weg zu uns nach Mersing.

Nach dem Frühstück liefen wir zum Supermarkt um schonmal den ersten Pro­viant einzukaufen. Auf Tioman war die Versorgungs­lage angeblich nicht so gut, deshalb wollten wir den größten Teil schon hier besorgen, auch wenn das hieß, alles bis auf die Insel schleppen zu müssen.
Wenigstens gab es auf Tioman Getränke und die alkoholischen sollten sogar noch deutlich billiger als auf dem Festland sein, denn die Insel war zollfrei. Das Einkaufen gestaltete sich etwas zeitraubend, nicht, weil die Auswahl so schlecht oder der Supermarkt so unsortiert war, sondern die Angestellten hielten uns auf. Sie waren unglaublich nett, boten ständig ihre Hilfe an und wenn man mit ihnen ins Gespräch kam, dann wollen sie gleich wissen, woher man kommt, was wir noch vorhaben und wie uns Malaysia gefällt. Wir bekamen eine intensive Beratung bei der Auswahl der richtigen Reissorte, außerdem wurden uns die kleinen Trockenfische als Gewürz sehr ans Herz gelegt – wir hatten sie schon auf unserem Roadtrip praktisch in jedem Gericht gefunden. Sehr zum Missfallen von Inés. Wir nahmen eine Hand voll mit, viel zu wenige – meinte Steffen.

Irgendwann klingelte mein Handy, Konrad meldete, dass sie in ein paar Minuten Mersing erreichen würden. Ich lotste sie zum Hotel und wir verstauten das Gepäck auf unserem Zimmer. Als wir in die Stadt aufbrechen wollen, rannte mir die Dame von der Rezeption sichtlich aufgeregt hinterher, ich möge doch den Schlüssel endlich abgeben. Nö, mochte ich noch nicht, das Zimmer benutzten wir erstmal als Gepäckzwischenlager.
Während die anderen zur Unterstützung von Inés und Steffen zum Supermarkt liefen, ging ich zum Pier und kaufte schonmal Tickets für die Fähre um 14 Uhr. Wieder zurück am Supermarkt waren schon fast alle Einkäufe erledigt (soweit möglich) und ein Taxifahrer wurde überredet, uns für einen nicht allzu unverschämten Preis (20 RM) die nächsten 20 Minuten zwischen Supermarkt, Hotel und Pier hin- und her­zukutschieren.

Schließlich standen alle und alles an der Fähre und die größtenteils asiatischen Mitreisenden staunten nicht schlecht über die Kartons und Tüten, die wir Europäer mit an Bord nehmen wollten – normalerweise sind es ja eher die Einheimischen, die mit Sack und Pack statt mit geordneten Koffern verreisen. Ein heftiges tropisches Gewitter verzögerte unsere Abfahrt. Hoffentlich ist das keine Vorwarnung auf das Wetter der nächsten zwei Wochen...

Tekek (Tioman)

In Tekek angekommen organisierten Aline und Steffen einen Wagen, der uns den Transport unseres Gepäcks und der Vorräte sehr erleichtren sollte. Leider standen am Ende des Piers einige zwielichtige Gestalten, die Miete für diesen Wagen forderten. Zwar nur 5 RM, also einen guten Euro, aber dafür, dass die Herrschaften absolut nichts getan hatten, um uns zu helfen, sahen wir es nicht ein, irgendetwas zu bezahlen. Mit unserem vielen Gepäck waren wir allerdings ziemlich unbeweglich und wie wir das alles zum Schiff bringen sollten wussten wir auch noch nicht so richtig. Ich packte erstmal die Funkgeräte aus.

Konrad und ich liefen zur Marina, während die anderen die undankbare Aufgabe hatten, sich um die Touts zu kümmern.
Die Marina war wie ausgestorben. Ein einsamer Wachmann fragte uns, wohin wir wollten und ließ uns dann ohne weiteres passieren. Der Parkplatz war so groß, dass er vermutlich alle Autos der Insel auf einmal gefasst hätte. Hier hat wohl jemand ohne die örtlichen Gegebenheiten zu kennen geplant. Auf den Booten und Stegen war niemand zu sehen. Wir erkundeten das Marina-Gebäude. Die zahlreichen für Geschäfte und Büros vorgesehenen Räume mit großen Glasfenstern waren allesamt leer. Nur auf der Rückseite kam Musik aus einem Raum, der wie ein Café aussah. Aber auch hier war die Tür verriegelt. Die Musik auszumachen hatte wohl gestern jemand vergessen.

Inés funkte uns an: Hier steht ein Typ, der behauptet, wir hätten ein Boot bei ihm gemietet. Er würde das Gepäck zur Marina transportieren. Außerdem sollen wir die 5 RM für den Handkarren bezahlen.
Wie heißt er denn?
Sébastien. Er bringt das Gepäck mit seinem Mofa-Beiwagen, wir kommen zu Fuß!

Als Sébastien mit der ersten Fuhre Gepäck ankam, zeigte er uns gleich unser Schiff – Hugo hieß es und wir könnten uns schonmal ein bisschen bekannt machen, während er die zweite Ladung Gepäck holte.

Wir machten die Übergabe, bekamen eine ausführliche Einweisung und etwas Papierkram war auch zu erledigen. Inés musste unterschreiben, weil der Vertrag auf Mr. Brand lautete. Wegen der Kaution von 3.000 € müssen zwei Kreditkarten belastete werden, da sich pro Kreditkarte normalerweise nur 2.500 € blockieren lassen. Dabei haben wir noch Glück, wer ab Januar gebucht hat muss sogar 5.000 € an Kaution hinterlegen.

Spät abends aßen wir sehr lecker bei einem Chinesen um die Ecke und feierten schon mal die Abenteuer, die uns erwarteten...

Des Nächtens wurden wir von Mücken heimgesucht. Dies ist hier in der Marina leider normal erklärte uns Sébastien. Er empfahl uns deshalb, unsere letzte Nacht nicht wie eigentlich geplant hier zu verbringen, sondern lieber vor der kleinen Insel Pulau Renggis ganz in der Nähe.

Reisetipps

Mersing - guter Supermarkt, aber keine Wurst (höchstens in Dosen), aber wenigstens Käse, wenn auch teuer. Die Fleischauswahl ist eher bescheiden, das Hackfleisch war uns nicht vertrauenserweckend genug. Neben dem Supermarkt gibt es noch eine Markthalle, in der man Fisch, Fleisch und Gemüse kaufen kann. Wir waren aber wohl schon etwas spät dran, die Auswahl war nicht mehr sonderlich gut.

Fähre nach Tioman - Beschreibung am Abreisetag!

Tioman - ist zollfrei, es gibt viele Duty Free Stores. Sie und die Supermärkte liefern kostenlos zur Marina. Die Auswahl ist allerdings sehr beschränkt, besonders an frischem Gemüse und Obst mangelt es.

Marina Tioman - die kleine Marina wurde erst 2007 eröffnet. Es gibt Toiletten, Duschen (oft abgesperrt), Wasser und Strom, für Besucher ist aber nur eine kleine Anzahl von Liegeplätzen vorhanden. Das Marinagebäude steht fast komplett leer, im nahen Tekek gibt es aber Restaurants, kleine Supermärkte und vor allem Duty Free Shops. Das Wasser in der Marina ist so klar, dass man hier problemlos baden könnte. Eine Tankstelle gibt es nicht, der Vercharterer betankt seine Boote aus Kanistern. Eventuell kann auch für Besucher Diesel vom Festland organisiert werden.
Die erste und die letzte Nacht in der Marina sind im Charterpreis inklusive. Wegen der Mückenplage würde ich aber zumindest in der letzten Nacht auswärts übernachten.

Ein leckeres chinesisches Restaurant gibt es gleich dort, wo die Straße zur Marina auf die Hauptstraße einbiegt.